Montag, 21. Juli 2014

Gleiswendel aus dem Lasercutter

Vom Fortschrittsgeist beseelt baut der Mensch Eisenbahnen, um Berge, Täler, Flüsse, Schluchten, Seen, Türschwellen, Teppichränder und Möbelstücke zu überwinden. Eine anspruchsvolle Topographie bedarf besonderer Ingenieursleistungen. Der Kreiskehrtunnel ermöglichte die Bezwingung der Alpen. Der Teppichbahner hingegen scheut den bergmännischen Vortrieb durch seine Wohnungseinrichtung und errichtet eine Wendel:


Normale Exemplare bestehen zumeist aus einer hölzernen Spirale, auf der die Gleise verlegt werden. Ich wählte eine andere Bauart, die sich leichter transportieren und verstauen lässt. Außerdem halten auf ihr die Gleise ohne Kleber, Nägel oder Schrauben. Wieder einmal stammen alle Teile aus dem Lasercutter.

Die Gleise liegen direkt auf den Pfeilern auf. Die Durchfahrtsöffnung ist gemäß NEM 102 und 103 gewählt. Sie lässt auch sperrige Maschinen, beispielsweise die BR 05, passieren. Übrigens ist durch die Pfeiler der Radius der Wendel noch nicht festgelegt, wohl aber die Höhe. Wenn sie sich als zu steil herausstellt, kann die Wendel abgebaut und mit größerem Radius neu aufgebaut werden.


Alle 30° kommt ein Pfeiler. Diese sind alle voneinander verschieden. Um sie auseinanderhalten zu können, wurden sie mit dem Lasercutter graviert. Schneiden und Beschriften gehen bekanntlich in einem Arbeitsgang. Die Seitenteile sind einheitlich und bedürfen daher keiner Gravur:


Anders natürlich die Mittelstücke. Eine Besonderheit ist der Pfeiler 12, da er die Einfahrt aufnimmt. In seiner gegenwärtigen Form ist er der einzige, der auf einen Radius festgelegt ist, da sich das Gleis nicht verschieben lässt. Allerdings hat man natürlich bei der Einfahrt größere Gestaltungsfreiheit als beim Rest. Man kann ja den Gleisverlauf dem Pfeiler anpassen. Weiter oben gilt natürlich, dass nur 30°-Stücke verwendet werden dürfen.


Ein älterer Entwurf enthielt noch einen breiteren Pfeiler 12. Die barocke Kontur nahm jedoch zuviel Platz weg. Das Bild zeigt, wie man die Wendel am besten aufbaut: Pfeiler für Pfeiler, alle Etagen zugleich. Wenn erstmal der Kreis geschlossen ist, wird das Gebilde sehr steif.


Die neue Zufahrt nimmt weniger Platz weg. Eine Radius-1-Wendel in einem Radius-3-Bogen ist jetzt kein Problem mehr.


Als Ausfahrt ist eine Brücke notwendig, die nicht nach unten ragt. Der Fischbauchträger scheidet also aus, die Balkenbrücke ist eine Option.


Angenehmer fürs Auge ist aber die Fachwerkbrücke, und ihre höhere Tragkraft ist ein willkommener Bonus.


Die Wendel hat sich bei mir nun anderthalb Jahre im Betrieb bewährt. Kein einziges Mal hat sich eine Gleisverbindung gelöst, da sich die einzelnen Lagen gegenseitig stabilisieren. Allerdings kann es passieren, dass sich die Pfeiler gegeneinander verschieben, wenn man gegen die Wendel stößt. In diesem Fall wird die Steigung ungleichmäßig.

Ich plane, eine weitere Variante zu entwickeln, die sich noch leichter an die Gegebenheiten der Teppichbahn anpasst. Wenn man die Höhe der Ausfahrt und ihren den Winkelversatz zur Einfahrt frei wählen könnte, wäre viel Flexibilität gewonnen. Allerdings fehlt mir noch ein überzeugendes Konzept dafür. Von daher ist dies der vorläufige Abschluss meiner Serie zu Rampen und Brücken.

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